Facebook erfüllt 7 Funktionen. Mindestens.
Posted on | Mai 16, 2013 | by Dennis Schmolk | 2 Comments
“Lohnen sich FB und Twitter?”, fragt Martin Grünstäudl in seiner aktuellen Blogparade. Ein kleiner, thesenartiger Beitrag.

Facebook steht ganz oben bei den Quellen, über die Leser alles-fliesst.com finden. Aufmerksamkeitseffekt: Check!
These: Klar bringen Social Networks etwas. Twitter, Facebook, Xing und LinkedIn sind spezialisierte Tools für Dialoge und Kommunikationen. Und als solche funktionieren sie.
These: Social Networks bringen niemandem etwas außer ihren Gründern, Marketingfritzen und den Medienforschern, die sie in langen Abhandlungen an der Nutzerperspektive vorbei analysieren. Und wo liegt jetzt die Wahrheit? Irgendwo dazwischen? Naja. Man könnte auch sagen: Der Zweck, zu dem man soziale Netzwerke als Mittel nutzt, differiert. Und daher auch die Verwendung. Da wären zum Beispiel:
- Aufmerksamkeitsheische. Privat in Form von Unterwäsche-Postings, Jammerei, Troll-Beiträgen, Essens-Fotos. Professionell als Unternehmensmitteilungen und Werbung. Grundidee: Ich posaune an alle hinaus, was mich gerade beschäftigt oder was mich zu etwas Besonderem macht.
- Newsstream. Man hält alle, die es interessiert (oder auch nicht) auf dem Laufenden, was gerade äußerlich passiert. Die Katze hat geworfen (oder die Nachbarin), das Restaurant gegenüber bietet günstige Pizza (aber mit Schreibfehler auf der Angebotstafel), Twitter ist down, der Support von Unternehmen XY stinkt.
- Recherche. In der Extremform bekannt als “Cyberstalking”, ansonsten eine nützliche Technik, um Informationen über Personen und Sachverhalte zu erhalten.
- Information. In manchen Bereichen ersetzen Facebook-Gruppen und vor allem Twitter-Listen mittlerweile meinen Feed-Reader. Das ist auch gut so, weil mein präferierter Reader ja demnächst die Schotten dicht machen wird …
- Unterhaltung. Man kann unendlich auf Networks surfen und wird immer etwas Spannendes oder Lustiges entdecken. Das ist zwar nicht der Gipfel der Produktivität, aber die Netzwerke helfen dabei, Zeit zu strukturieren, wie das ein Transaktionsanalytiker ausdrücken würde.
- Kommunikation. Man kann mit den Leuten reden. Danke, Captain Obvious. Allerdings wird das immer schwerer. Darum üben gerade ja auch die Messenger einen gewissen Druck auf die Networks aus.
- “Networking”. Von der Kommunikationsfunktion zu unterscheiden ist das berufliche und private Freundesammeln, das euphemistisch als “Networking” bezeichnet wird.
Fazit: Klar funktionieren Social Networks. Mindestens siebenfältig. Und sie sind in Arbeits- und Privatleben schon alleine deswegen unverzichtbar geworden, weil sie helfen, Zeit herumzubringen.
Die “Neuen” – von Buchcamp zu Blogparade
Posted on | Mai 13, 2013 | by Hanna Hartberger | 3 Comments
Sie sind jung und engagiert – gebt ihnen einen gutbezahlten Job, sagen die einen. Wir können uns das nicht leisten, außerdem suchen wir sowieso Leute mit anderen Qualifikationen – sagen die anderen. Und schon sind wir wieder mitten im Grabenkampf. Geht das auch anders?
Intensiver Meinungsaustausch auf dem Buchcamp
Es geht um die Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche. Wie in meinem Buchcamp-Rückblick angekündigt, greife ich das Thema nochmal ausführlich auf. In der Buchcamp-Session des Buchbranchenbande-Teams ging es zuerst um die Unterschiede zwischen Deutschland und Österreich in diesem Gebiet. Grund für die Session war u.a., dass Kathrin und Karin eingeladen sind, auf dem Jahreskongress vom Hauptverband des österreichischen Buchhandels über genau dieses Thema zu sprechen. Im Zuge der Vorbereitungen wollten sie ein breit gefächertes Meinungsspektrum einholen und haben das angesichts diskussionsoffener Teilnehmer auch bekommen. Ein Teil der Statements wurde auch als Videobotschaft mitgenommen.
Zu wenig Verantwortung? Zu viel Verantwortung?
Aber worüber wurde denn jetzt genau geredet? Zum Beispiel darüber, dass es in Deutschland mit der grundsätzlichen Nachwuchsförderung gar nicht so schlecht aussieht (Stichwort Nachwuchsparlament), jedenfalls im Vergleich zu Österreich, wo es derartige Veranstaltungen überhaupt nicht gibt. Es gab aber auch harsche Kritik, nicht nur zum Thema Bezahlung, sondern auch dazu, dass der Nachwuchs oft wenig geschätzt wird, obwohl sein Digital-Können oft das seiner Kollegen klar übersteigt. Oder umgekehrt, dass allein aufgrund des Alters und privater Erfahrungen angenommen wird, dass man problemlos das Social Media schmeißen könne.
Immer mehr Wortmeldungen – und oft nicht positiv …
In den letzten Jahren ist ein Bewusstsein für die Arbeitsbedingungen der Einsteiger entstanden. Ich greife nur mal drei der letzten Artikel zu diesem Thema heraus:
- Steffen Szary: Einer macht’s bestimmt – oder: wie die Literaturbranche ihren Nachwuchs vergrault
- Regine Bruns: High Potentials als Hilfskräfte
- Tea Herovic: “Was Sie suchen, steht direkt vor Ihnen”
Was auch immer man von den Artikeln halten mag, es ist wichtig, dass das Thema diskutiert wird. Denn wenn ich mit Einsteigern der Buchbranche spreche, merke ich, wie hoch der Gesprächsbedarf ist.
Blogparade zum Nachwuchs
Wir – Dennis und ich – wollen aber noch mehr Meinungen! Und starten zu diesem Zweck eine Blogparade mit dem Thema
Die “Neuen” – Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche
Wir suchen ehrliche Beiträge – ob sachlich oder polemisch, ob wütend oder enthusiastisch, ob Analyse oder Erfahrungsbericht. Wichtig ist uns, dass sich alle zu Wort melden, der Nachwuchs ebenso wie die “Angekommenen”. Wir finden, dass bei diesem Thema oft zu wenig miteinander geredet wird und möchten mit dieser Blogparade ein Verständnis für die verschiedenen Positionen schaffen. Daher rufen wir auf, bis zum 9. Juni ganz viele Blogbeiträge zu diesem Thema zu schreiben und uns darüber zu informieren. Wer Inspiration braucht, kann sich gern an uns wenden, wir stellen dann unsere Liste mit den Artikelvorschlägen zur Verfügung. Wir freuen uns auf eure Beiträge!
Tags: ausbildung > blogparade > branchennachwuchs > buca13 > buchcamp > einstieg > nachwuchs > weiterbildung
Literatur im Metaversum – Lesungen in SecondLife
Posted on | Mai 11, 2013 | by Dennis Schmolk | 1 Comment
Vielen Dank an Thorsten Küper und Kirsten Riehl von Brennende Buchstaben für diesen Gastbeitrag, dem Follow-Up zum letztwöchigen Interview. Die Bilder stammen von BukTomBloch.
„Du beschäftigst dich womit? Lesungen in SecondLife? Aber SecondLife ist doch tot!“
Die Reaktion oben ist uns, der Literaturgruppe Brennende Buchstaben, unseren Gästen und Lesern unserer Blogs wohlbekannt. Deswegen wollen wir heute auch nicht noch einmal auf die alte Diskussion eingehen, ob die Geschichte des wohl bekanntesten Metaversums die eines Scheiterns oder eines dauerhaften Erfolges ist. Wir behaupten Letzteres, Argumente dafür haben wir bereits an anderer Stelle aufgeführt.
Vor einer Woche interviewte uns Dennis Schmolk vom Literatur-Blog „Alles fließt“ über Lesungen in ScondLife und wir hatten ihm angeboten, einen Artikel über das Thema und unsere Erfahrungen damit zu schreiben. Werfen wir also einen Blick auf SecondLife als Literaturplattform.
2007 gründete Kirsten Riehl – eine der beiden Autoren dieses Artikels – die Brennenden Buchstaben. Autor Nummer Zwo, Thorsten Küper stieß 2009 zur Gruppe und wir beide zusammen veranstalten seit dieser Zeit regelmäßig Literaturevents, Ausstellungen, gelegentlich auch Konzerte im Metaversum. Lesungen in SecondLife sind keine neue Erfindung. In den letzten Jahren haben sich viele Autoren in Avatargestalt im Cyberspace gezeigt, dort Texte vorgestellt oder sich Interviews gestellt. 2008 hat Thorsten Küper beispielsweise für telepolis einen Artikel über einen Auftritt von Charles Stross in Secondlife geschrieben.
Das Standing von virtuellen Lesungen ist im englischsprachigen Raum etwas besser als hierzulande. In Deutschland konnte sich SecondLife als Bühne für Lesungen bisher nicht richtig durchsetzen. Wir finden das erstaunlich. Ein Grund dafür könnte der verspätete, aber übertriebene Hype des Jahres 2007 und der darauf folgende drastische Imageabsturz gewesen sein, der vor allem mit dem missverstandenen Rückzug großer Unternehmen aus SL zu tun hat.
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Buchcamp 2013: Blick in die Glaskugel
Posted on | Mai 6, 2013 | by Hanna Hartberger | 5 Comments
Und auch dieses Jahr ist das Buchcamp fast wieder zu schnell vergangen – wie auch im letzten Jahr war es eine sehr entspannte Veranstaltung, die sich definitiv gelohnt hat. Ich gebe hier einen kurzen Rückblick auf alle Sessions, die ich besucht habe. [Zur Erklärung: Das "Buchcamp" ist ein zweitägiges Barcamp für die Buchbranche, also eine offene Veranstaltung, bei der es Session zu den verschiedensten Themen gibt. Die Themen schlagen die Teilnehmer selbst vor und entscheiden sich dann kollektiv.]
Erste Session: Wie müsste der Börsenverein der Zukunft aussehen?
Meine erste Session hat überhaupt keine Antworten gegeben, sondern im Gegenteil viele Fragen gestellt. Es ging um die Grundfrage, ob der Börsenverein in der heutigen Form noch zeitgemäß ist. Um das Thema besser zu greifen, einigte man sich auf einige Fragen, die im ganzen Raum ausgelegt wurden. Dann durften alle rumlaufen und ihre Gedanken aufs jeweilige Poster schreiben (Stichwort Brainwalk). Zur Auswertung und Diskussion der Ergebnisse blieb keine Zeit mehr, aber das soll in den nächsten Wochen und Monaten auf Facebook nochmal aufgegriffen werden. Fazit: Nicht ganz so toll, weil ich als Teilnehmer durch die fehlende Besprechung eigentlich nur wenig mitnehmen konnte.
Zweite Session: Social Media Publishing
Beim Social Media Publishing ging es um den Einfluss der sozialen Netzwerke auf Verlage; allerdings nicht nur Buch-, sondern auch Zeitungsverlage, was interessante Einblicke beschert hat. Später ging es noch um die Frage, wie effektiv Facebook-Anzeigen sind und welche Erfahrungen die Anwesenden mit “Langzeit-Folgen” ihrer Anzeigen hatten. Fazit: Sympathische One-Man-Show!
Dritte Session: Crowdfunding in der Buchbranche
Bei der Crowdfunding-Session ging es um ein konkretes Konzept für ein Start-up. Die potenziellen Gründer (die freundlicherweise schon Interviewbereitschaft signalisiert haben, falls alles klappt) haben ihre Pläne vorgestellt, und bereits ab der zweiten Folie wurde lebhaft diskutiert. Fazit: Interessantes Thema + intensiver Dialog = sehr spannende Session.
Vierte Session: Zeitgemäßes Veranstaltungsdesign
Die letzte Session des ersten Tages drehte sich um zeitgemäßes Veranstaltungsdesign und begann passenderweise mit einem Stuhlkreis. Durch Zuwerfen eines Gesprächsballs wurden zuerst Beispiele für gute Veranstaltungen gesammelt und im Anschluss Gründe, warum man eine Veranstaltung schlecht findet. Und zu guter Letzt durften wir alle selbst ans Werk und uns überlegen, wie die ideale Veranstaltung aussieht. Und auch wenn das Thema im ersten Moment altbekannt klingt, sind wir doch zu ein paar wichtigen Erkenntnissen gelangt. Zum Beispiel zu der, dass man immer einen Plan B haben sollte oder dass eine kleine Teilnehmergruppe immer besser ist als eine große, selbst wenn es sich “nur” um einen Vortrag handelt. Fazit: Unterhaltsame Session, bei der wir innerhalb kurzer Zeit zu guten Ergebnissen gekommen sind.
Fünfte Session: Vorsicht eBook! Der Nachwuchs und das digitale Publizieren
Meine fünfte Session zeichnete sich bereits durch die Größe des Referententeams aus, was aber kein Nachteil war. Im Gegenteil hatten die Damen, allesamt aus dem GRIN Verlag, und der Herr – Dennis Schmolk, die andere Hälfte dieses Blogs – genial-kreative Folien zur Vorstellung ihrer Personen entworfen (siehe die Präsentation von Elena im Bild links). Und dann gab’s interessante Einblicke in die Arbeit mit eBooks, bei der man zum Beispiel erfahren konnte, dass Titel und Klappentexte von eBooks SEO-optimiert werden. Fazit: Humorvoll und interessant.
Sechste Session: Anforderungen an Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche
Zu dieser Session möchte ich noch nichts schreiben, weil ich in einem der folgenden Blog-Beiträge nochmal extra aufgreifen werde. Dafür dann umso ausführlicher.
“Die aktivste Art, mit Literatur zu hantieren”: Interview mit Thorsten Küper zu Second Life
Posted on | April 30, 2013 | by Dennis Schmolk | 2 Comments
Thorsten Küper, Blogger, Second Life-Experte, Telepolis- und Sci-Fi-Autor und zusammen mit Kirsten Riehl Gründer der Literaturgruppe Brennende Buchstaben, beantwortet in diesem Interview ein paar grundlegende Fragen zu Second Life (SL). Ein zusammenhängender Gastartikel folgt demnächst. Wie findet ihr das Konzept, Chat-Protokolle als Interview aufzubereiten?
Links zum Einstieg:
“SL gilt als tot, weil die Journalisten vom Cybersex enttäuscht waren”
Dennis Schmolk: : Hi Thorsten, meine Grundfragen zu “Second Life für Autoren” sind: Was läuft dort, wie kommt man rein als Autor, wie kommt man rein als Leser, was bringt es beiden Parteien? Und vor allem: Was entsteht auf SL Neues – ist das “nur” eine Plattform für digitales (Vor-)Lesen oder entstehen dort neue Contentformen, Inhalte etc.? Kannst du uns einen kurzen Überblick geben?
Kueperpunk Korhonen: Zum allgemeinen Einstieg empfehle ich unser Tutorial (s.o., Anm. d. Red.).
Ich denke, es gibt tatsächlich einige Ansätze, die über das blanke Vorlesen hinausgehen. Wir haben beispielsweise schon mehrere Kurzgeschichten in Theaterstücke umgesetzt. Davon abgesehen ist selbst die klassischer Lesung auf dieser Plattform so etwas wie Neuland – schwer nachvollziehbr, warum sie bisher kaum dafür benutzt wurde.
Dennis Schmolk: Vielleicht, weil SL immer noch so ein “Das war 2007 mal ein Hype und ist jetzt tot”-Image anhaftet (mal ganz provokant gefragt)?
Kueperpunk Korhonen: Nein, du hast das Problem exakt auf den Punkt gebracht. Genau da liegt der Hund begraben. Ich sage ja immer, SL war deswegen so schnell unten durch, weil sämtliche Journalisten so enttäuscht vom Cybersex waren. *lach*
Dynamische Inhalte, 3D-Games und virtuelle Theaterstücke
Dennis Schmolk: Was denkst du denn, was an neuen Inhalten dort entstehen (und vielleicht auch in andere Medien schwappen) kann? Ich denke etwa an interaktiv erfahrbare “Literatur”, vielleicht etwas Nonlineares (wie es in reiner Textform z.B. von Tools wie http://writer.inklestudios.com/ gerade erprobt wird als “SL-Rollenspiel”).
Kueperpunk Korhonen: Denkbar, aber wir reden schon beinahe über alte Hüte. Diese Hypertextexperimente haben nie wirklich gegriffen, es gab sie ja schon Mitte der Neunziger. Ich sehe da eher die Medienkonvergenz bei der Arbeit. Das Format Internetradio läuft zusammen mit Literatur und 3D-Games und manchmal wird auch noch ein Machinima draus.
Kueperpunk Korhonen: Ich habe meine in c´t erschienene Kurzgeschichte Debugging You über einen Polit-Stalker dort in ein Ein-Mann-Bühnenstück umgewandelt. Zum Beispiel.
Dennis Schmolk: Ja, eigentlich haben diese Ideen ja seit Vannnevar Bush nur Nerds begeistert und nie richtig greifen können – vielleicht liegt das ja daran, dass Schriftmedien nicht das Richtige sind. Denn im Gaming-Bereich basiert ja alles auf Interaktion und Nonlinearität (zumindest in vielen Genres). Daher dachte ich eben daran, dass SL dafür der richtige Ort sein könnte!
Kueperpunk Korhonen: Es gibt übrigens interaktive literarische Spiele. Ein Freund von mir arbeitet mit daran. Da haben wir unter Umständen, das was du suchst. Vergleichbar mit klassischen Adventure Spielen. Gegenstände aufspüren, weiterkommen.
Dennis Schmolk: Wie sehen die für den User aus? So im Sinne eines klassischen Multi-User-Dungeon-Games? Oder ein Single-Player-Rollenspiel/Adventure?
Kueperpunk Korhonen: In dem Falle reden wir eher von einer Single Player Erfahrung, wobei du ständig anderen Spielern über den Weg läufst.
Ebenfalls spannend: Real Life/Second Life Experimente. Lesungen werden ins Real Life übertragen. Oder das SecondLife Publikum verfolgt ein Realevent. Ein wie ich finde sehr schönes Beispiel:
Vor einiger Zeit habe ich den Autor Frederic Brake zu einer Lesung eingeladen. Daraus hat sich sehr schnell eine Zusammenarbeit ergeben, aus der ein Thaterstück entstanden ist. Aktiver kann man eigentlich gar nicht mit Literatur hantieren. Ein Ensemble wurde gebildet, es wurde über Wochen hinweg geprobt, Scripter mussten Animation erstellen, Kostüme wurden entworfen und Settings gebaut. Ich denke, in dieser Richtung kann sich noch viel bewegen.
60 Autoren nach Second Life “importiert”
Dennis Schmolk: Klingt alles sehr spannend. Wie viele Literaturschaffende zählt denn die deutsche SL-Szene? Du hast da bestimmt einen guten Überblick. Und verschmelzen die Konsumenten- und die Produzentenrollen in SL? Werden “Leser” zu Autoren und steuern selbst etwas bei?
Kueperpunk Korhonen: Bisher haben wir über 60 Autoren nach SL “importiert” – also im Crashkurs vermittelt, wie man den Client benutzt und sich hörbar macht. Einer der letzten war Michael Meisheit – Drehbuchautor bei der Lindenstrasse.
Konsumenten werden gelegentlich zu Produzenten, ich beobachte immer wieder User, die sich inspirieren lassen und auf die Idee kommen, zum Beispiel einen Buchladen in SecondLife zu bauen. Da ich selber Science Fiction Autor bin, sind wir gelegentlich etwas “lastig” in diese Richtung, aber wir versuchen mit Satire, Lyrik, Krimis und Thrillern auszugleichen. Und wir holen tatsächlich Leute rein, die man auch im Buchladen findet: Arno Strobel, Karl Olsberg, Thomas Thiemeyer, Michael Marrak, usw…
“Unkommerziell und ohne jede Absicht, Geld zu verdienen”
Dennis Schmolk: Dann noch eine letzte, ganz provokante Frage für dieses Kurzinterview: Wie sieht es denn mit Monetarisierung aus? Ist dein/euer SL-Engagement als Marketing zu verstehen, als Hobby, oder ist SL irgendwann als Plattform vielleicht auch zum Verkauf geeignet?
Kueperpunk Korhonen: Wir persönlich machen das unkommerziell und ohne jede Absicht, Geld zu verdienen. Also für Ruhm und Ehre. Nein, wir haben einfach Spaß an Literatur und den “neuen Medien” und sind selber auch Vortragende. Ich lese regelmäßig eigene Texte, mache dort auch Comedy Programme, die ich rl in Poetry Slams benutzen kann. Und wir wollen auch neuen Autoren oder weniger bekannten eine Bühne bieten. Da nimmt man keine Eintrittsgelder. Ich halte SL aber auch nicht für völlig ungeeignet als Buchverkaufsplattform. Wir stellen zum Beispiel sehr regelmäßig neue ScienceFiction Anhtologien oder Bücher aus anderen Genres vor. Das ist natürlich auch werbewirksam.
Man darf einen wesentlichen Punkt nicht übersehen:
SL bietet eine einfache Möglichkeit, die Lesung eines Autor zu besuchen, die einem sonst aufgrund der Distanz entgehen würde.
Simpel, aber ein guter Grund.
Dennis Schmolk: Ich glaube ja immer an das Gute im Menschen – denkst du denn, die Leute wären bereit, solche Angebote finanziell auf freiwilliger Basis zu entlohnen? Also etwa zu “flattrn” oder eine “virtuelle Lesereise” via Crowdfunding zu unterstützen? Oder denke ich dazu naiv?
Kueperpunk Korhonen: Wir haben nie danach gefragt. Aber wenn man lieb fragt, flattrt vielleicht auch jemand. Ein bißchen Crowdfunding ist sowieso mit drin, denn ein Theaterstück wie der “Drachenblues” (der Kollegen der Kulturschaukel aus dem virtuellen Köln, das muss ich hier mal deutlich hinzufügen: Das Stück ist nicht UNSER Projekt) lebt davon, dass die Teilnehmer selber etwas Geld investieren – für Requisiten, ihre Kostüme usw.
Wenn Lesungen in Metaversen bekannter werden und folglich mehr Zuschauer finden, dann lässt sich auch Richtung kommerzieller Nutzung vielleicht mehr daraus machen. Der Punkt für uns war nie die kommerzielle Nutzung. Wir arbeiten gern dran und verwerten alles was dabei herauskommt auf unseren Blogs. Nicht fiskale Entlohung würde ich das nennen.
Dennis Schmolk: Danke dir vielmals für dieses Gespräch! Wir freuen uns auf einen längeren Artikel von dir!
Crowdfunding: Einführung für Kreative und Start-Ups
Posted on | April 29, 2013 | by Dennis Schmolk | No Comments
Eine sehr spannende, inhaltsgeladene Präsentation zum Thema Crowdfunding:
Tolino und Piratenportal: Zahlen und Fakten
Posted on | April 24, 2013 | by Dennis Schmolk | No Comments
Vermischte Zahlen werden heute herumgereicht. Erstens zum Tolino – leider nur Hoffnungen und nichts Konkretes:
„Unser Marktanteil hat sich durch Einführung des Tolino nicht verschlechtert“, stapelte Halff im Rahmen einer Diskussionsrunde zum deutschen E-Book-Markt zunächst tief – um später mit Blick auf den eigenen „ehrgeizigen Absatzplan“ konkreter zu werden: In diesem Jahr rechne er mit einem Gesamtabsatz von 1,4 Mio E-Readern in Deutschland. Ziel sei, dass die Tolino-Partner einen Anteil von über 36% erzielten. (Buchreport)
Andererseits zu einem Piraterie-Portal für eBooks:
Wir sind auf dem langen, beschwerlichen Weg zur ersten Millionen Downloads pro Monat. Sichtweite ist immerhin hergestellt. Augenblicklich prognostizieren wir um die 850.000 Downloads.
Zugriffe prognostiziert auf Monatesende: 5,2 Millionen. Das sind alle Aufrufe unserer verschiedenen Seiten. (torbooks)
Und in other news:
[Verleger müssen] bei der E-Book-Revolution den „Reset-Button“ drücken und sich organisatorisch neu aufstellen – es müsse in den Verlagen Mitarbeiter geben, die ausschließlich für den digitalen Bereich zuständig seien. (Buchreport)
Verlage werden unwichtig
Posted on | April 17, 2013 | by Hanna Hartberger | No Comments
Die jüngere Generation von Lesern erinnert sich schlechter an den Verlag des Buchs, das sie zuletzt gelesen hat, als die ältere – so die Ergebnisse einer Kurzstudie des Instituts für Kreativwirtschaft an der HdM Stuttgart. Unzeitgemäßer Markenaufbau oder Folge eines komplett neuen Leseverhaltens?
Wichtigste Ergebnisse
Über 90 Prozent der Teilnehmer können sich an das zuletzt gelesene Buch erinnern, aber nur etwa ein Drittel an den Verlag des Buchs. Interessant wird das Ergebnis vor allem dann, wenn man einen Blick auf die Altersstruktur der Teilnehmer wirft. Am besten kennen die 30- bis 60-Jährigen den Verlag ihres zuletzt gelesenen Buchs und von diesen vor allem die Personen mit Hochschulabschluss. Im Fazit resümieren die Autoren:
Es ist zu erkennen, dass die Personengruppe, die sich nicht mehr an den Verlag erinnert, überwiegend aus der Altersklasse 17 bis 29 Jahre stammt und über einen hohen Schulabschluss (Abitur/Fachhochschulreife) verfügt. Dies ist besonders markant, da sich diese Zielgruppe am intensivsten mit neuen Medien auseinandersetzt, in denen Verlage aktuell versuchen ihre Marke zu platzieren.
Geändertes Leseverhalten
Content scheint wirklich King zu sein: Die jüngere Generation orientiert sich augenscheinlich vermehrt am Inhalt des Buchs – denn an dieses können sie sich in den meisten Fällen noch erinnern – und weniger am Verlag. Es scheint, als habe die repräsentative Funktion des Buchs ausgedient, weil es in der digitalen oder elektronischen Bibliothek anders als im Bücherregal wenig auffällt, von welchem Verlag welches Buch kommt.
Und es ist verständlich: Der große Belletristikverlag, der verschiedenste Genres wie Krimi, Thriller, Frauenroman, historischer Roman und Fantasyepos verlegt, ist per se kein Qualitätsprädikat – hat er doch viel zu viele Titel im Angebot, als dass diese alle den Geschmack eines Lesers treffen könnten. Anders ist es bei kleinen oder spezialisierten Verlagen und natürlich bei vielen Verlagen im Bereich Sach- und Fachliteratur.
Sind Marken überflüssig?
Die Autoren sprechen im Fazit bereits selbst die Alternative zu Marken an: Themenfelder oder Produktmarken. Und auch ich denke, dass dieser Fokus sinnvoll ist. Wie gesagt bietet eine entsprechend umfangreiche Marke keine Orientierung, und überhaupt sind der Autor des Buchs, die Serie oder die Geschichte, die erzählt wird, oft viel spannender als die Verlagsmarke an sich. Daher ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass der Leser von einem Buch erfährt und von ihm begeistert wird – ob das durch eine interessante Leseprobe, eine Rezension in seinem Lieblingsblog oder durch ein Alternate Reality Game geschieht, ist egal. Wichtig ist einzig, dass das Buch beim Leser ankommt und ihm gefällt. Selbst wenn das heißt, dass jedes Buch seinen eigenen Vertriebsweg bekommt.
Tags: ebooks > hochschule der medien > institut für kreativwirtschaft > leser > leseverhalten > marke > markenbildung > verlagsmarke
Warum wir nicht mehr vergessen können und uns erinnern müssen
Posted on | April 15, 2013 | by Hanna Hartberger | No Comments
Gnädiges Vergessen?
Das Thema “Vergessen oder Erinnern?” beschäftigt die Menschen. Nachdem es jahrhundertelang schwierig war, Erinnerungen überhaupt zu konservieren, sind wir heute angesichts technologischer Entwicklungen ins andere Extrem gerutscht: Was von dem, was wir konservieren können, sollen wir konservieren? Die British Library setzt momentan auch im Internet auf Vollständigkeit, denn frühere Instanzen wie Verlage sind spätestens seit dem Beginn von Self-Publishing sowieso nicht mehr vorhanden. Anders als die Deutsche Nationalbibliothek bezieht sie auch Facebook-Postings und Tweets ein. Und steht vor dem gewaltigen Problem, dass die Menge an Geschriebenem immer mehr zunimmt.
Wichtige vs. unwichtige Inhalte
Philippe Wampfler hat in einem Gastbeitrag auf Netzpiloten, in dem es auch allgemein um die Zukunft von Social Media geht, vorgeschlagen, eine Trennung von Inhalten einzuführen:
Schon allein die Möglichkeit, im Internet vergänglich und nicht-vergänglich kommunizieren zu können, könnte eine Differenz beleben, die für das Funktionieren unserer Erinnerung, für den Wert von Bildern und anderen Medien und für unser Erleben der Realität entscheidend ist.
Diese Trennung wäre in der Tat ein sinnvoller Ausweg, da große Teile der täglichen Kommunikation belanglos sind. Das war früher nicht anders, jedoch mit dem Unterschied, dass diese alltägliche Kommunikation nicht archiviert wurde bzw. man entscheiden konnte, ob man sie archivieren will oder nicht (Beispiel: E-Mail). Heute haben Nutzer keine Entscheidungshoheit mehr, und beispielsweise Facebook dokumentiert jeden noch so kurzen Nachrichtenwechsel, den man jemals mit einer Person hatte. Das entspricht natürlich insofern dem heutigen Kommunikationsstil, als dass man ein Gespräch jederzeit wieder aufgreifen und weiterführen kann – Ähnliches hat auch Dennis in seinen Gedanken zu nonlinearer Belletristik angesprochen. Aber die meisten dürften bereits jetzt merken, wie unübersichtlich Vieles wird.
Priorisierungsmechanismen
Ich spekuliere darauf, dass auch bei interaktiv(st)en Diensten zwar nicht wieder Lösch-, aber zumindest Priorisierungsmechanismen eingeführt werden. Einfach weil viele Nutzer überfordert sein werden, allein bei ihren eigenen Beiträgen den Überblick zu behalten. Facebook hat Derartiges ja bereits in Ansätzen eingeführt, nämlich dass nur bestimmte Beiträge angezeigt werden. Besser ist es natürlich, wenn kein Algorithmus die Wichtigkeit eines Ereignisses bewertet, sondern der Nutzer selbst, wie es zum Beispiel bei Flipboard der Fall ist. Das bedeutet zwar Aufwand für den Nutzer, heißt aber auch, dass er über sein Erinnern und Vergessen selbst entscheiden kann.
Tags: british library > datenspeicherung > deutsche nationalbibliothek > erinnern > social media > vergessen
Nonlineare Zukunft der Belletristik? Eine Reflexion über verschenkte Möglichkeiten
Posted on | April 8, 2013 | by Dennis Schmolk | 3 Comments
Ich fantasiere seit Langem über einen WhatsApp-Roman – so etwas wie den modernen Briefroman. Mir schien nur die Form “Roman” immer unangemessen. Denn im Gegensatz zum weitgehend linearen Brief des 19. Jahrhunderts, ist die WhatsApp-Kommunikation zumindest bei mir immer massiv durchsetzt mit Kommunikation in anderen Kanälen. In WhatsApp wird zum Thema, was telefonisch, persönlich, über andere Netzwerke reinkommt und rausgeht. WhatsApp ist eben nur ein Kanal unter vielen, während der Brief zum Handlungszeitpunkt des Briefromans häufig der einzige Kanal war und höchstens im Voraus oder im Nachhinein ein persönliches Treffen thematisierte. Trotzdem erzählt ein Gesprächsprotokoll manchmal eine tolle Geschichte. (Und sicherlich denkt nun jeder Leser, ganz zurecht, an eine Liebesgeschichte.) Die WhatsApp-Kommunikation ist gekennzeichnet durch Querverweise und Kontingenz. Ich schicke sechs Nachrichten mit verschiedenen Inhalten, bekomme aber nur auf zwei der Inhalte eine Antwort, während vier Themen unwidersprochen stehen bleiben und drei neue aufgemacht werden. Es ist schnelle, direkt Kommunikation, häufig sich zeitlich überschneidend. Wie bildet man das ab? Das Gehetzte, Spontane dieser Kommunikation? (Analoges gilt natürlich für SMS- und Handyromane.)
Nonlinear ist ja nicht ganz neu
Ein anderes Feld: Ich bin leidenschaftlicher Rollenspieler. Mit Rollenspielen bzw. verwandten Themen haben sicherlich viele Leute durch “Entscheidungsbücher” Erfahrungen gemacht, also Bücher, in denen der Leser in die Geschichte eingebunden wird, indem er Entscheidungen trifft. “Wenn du dem linken Pfad folgst, lies weiter bei Kapitel 181. Wenn du rechts herum gehst, lies weiter bei Kapitel 17.” Die Struktur des Plots und die Form des Buches übernehmen die Rolle des Spielleiters, der den Spielern sagt, welche Auswirkungen ihre Entscheidungen haben. Seit Jahren finde ich spannend, wie weit die alten Hypertext-Ideen in ihrer Dynamik gingen. Bei Vannevar Bush angefangen. Und es enttäuscht mich immer wieder, wie weit die heutigen Umsetzungen von digitalem Lesen dahinter zurückfallen, welche Möglichkeiten verschenkt werden. Diese Ideen würden auch meine Idee eines Chat-Protokoll-Romans möglich machen. Warum sind eBooks nur langweilige Reproduktionen von Printbüchern? Ich gebe zu: eReader haben auch Vorteile, wenn man sie nur als umfangreiche, leichte Riesen-Bibliothek mit sich führt. Aber sie könnten so viel mehr. EPUB 2, das lineare eBook-Format, und die heutigen Reader, die ebenfalls kaum mehr als lineare Texte abbilden können (der Tolino beherrscht ja nicht einmal Links), sind nicht innovativ. Letztlich braucht niemand eine Buch-Kopie in digitaler Form. Das Medium Buch ist toll, in dem, was es kann. Das eBook wird sich nur durchsetzen, wenn es darüber hinaus geht.
Der WhatApp-Roman auf dem Tablet: Die Zukunft?
Und hier kommen die Gedanken zusammen: Was wir brauchen, sind innovative “enhanced” eBooks und Geräte, die sie darstellen können. WhatsApp-Romane auf Tablets zum Beispiel. Daher ist Amazons Richtung, das eReading mit dem Kindle Fire in Richtung Tablets zu entwickeln, ein wichtiger und richtiger Schritt (den Apple ja bereits gegangen ist). Wenn mir in den kommenden Tagen Zeit bleibt, werde ich das in o.g. Artikel erwähnte Tool inkleWriter einmal ausprobieren, um eine kleine nonlineare Story “zu Papier” zu bringen.EPUB 3 als Exportformat wird zwar noch nicht breit unterstützt – aber wir müssen ja die Hoffnung nicht aufgeben …
Was denkt ihr? Denke ich noch zu konservativ und textlastig? Oder zu innovativ, weil es für diese Inhalte und Formen keine Zielgruppe gibt? Habe ich Experimente (gerade aus dem Bereich Interactive bzw. Transmedia Storytelling) übersehen?
Tags: belletristik > ccontent > handyroman > inkleWriter > nonlinear > roman > sms-roman > whatsapp










